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Drushkowka musste ich am 27. September
1942 verlassen. In Deutschland kamen wir am 15. Oktober an.
Zuerst kamen wir zu einem Bauern und rodeten bis zum Einbruch
der Kälte die Kartoffeln. Als es kalt wurde, schickte man uns
nach Rangsdorf zum Bücker-Werk. Dort blieb ich bis Ende
Frühling 1945.
Die Verpflegung war schrecklich. Zwei oder drei faule
Kartoffeln bekamen wir zum Mittagessen. Abends erhielten wir
50 Gramm Brot für den nächsten Tag. Wir aßen es gleich auf und
gingen hungrig zu Bett. Wir waren vom Hunger geschwollen,
hatten Hungerödeme. Meine Freundin Nina arbeitete bei
Bücker und schälte Kartoffeln für die Küche. Sie sagte zu mir:
„Komm Maria, wir geben Dir Kartoffelschalen. Wir legen sie in
den Müllkasten, und Du holst sie dort weg.“ Ich ging schnell
dahin mit einer Tasche und stellte mich in der Kolonne in die
letzte Reihe. Ich war ja verwegen und sprach alle rings umher
an. Der Wachmann fragte: „Was bringst Du da?“ Ich zeigte ihm,
da sagte er: „Du bist ein Schwein!“ Er schüttete mir die
Kartoffelschalen auf den Kopf und schrie dabei: „Du bist ein
Schwein!“ Ich aber sagte: „Ich bin kein Schwein, ich bin ein
Mädchen.“ Ich sammelte die Schalen wieder zusammen (er
erlaubte es mir) und brachte sie ins Lager. Im Zimmer stand
ein eiserner Heizofen. Darauf habe ich die Kartoffelschalen
gebacken und gegessen. Ich habe auch meine Freundinnen
bewirtet.
Im Werk hatte ich eine „sehr gute“ Arbeit: Es war ein großer
Lagerraum, wo Scheiben, Schrauben u.a. waren. Nach
entsprechenden Dokumenten gab ich sie heraus.
Wir waren zu dritt, zwei Franzosen waren dabei. Sie achteten
mich. Vom Roten Kreuz erhielten sie Päckchen. Einer versteckte
in der Hosentasche eine Dose mit Suppe und brachte sie mir.
Oh, ich war im 10. Himmel. Ich habe mich daran satt gegessen.
Videoausschnitt
Eines Tages sagte mein deutscher Meister zu mir: „Wir müssen
das Ding, das da hoch oben hängt, runterholen.“ Er fragte
mich: „Wirst Du dahinklettern?“ Ich sagte: „Nein!“ Dann fragte
er die Franzosen, sie lehnten ab. Dann schickte er mich nach
oben. Befehl ist Befehl. Das war eine Fläche vom Flugzeug. Sie
fiel mir herunter. Dann kam der Meister und sagte zu mir:
„Dumm!“ Ich sagte: „Ich bin dumm?“ Er schlug mich, ich fiel um
und die Nase blutete. Ich sagte zu ihm: „Du bist auch dumm!“
Die Franzosen kamen näher. Ich weinte, und der Meister ging
fort. Ich musste meine Arbeit fortsetzen.
Mit den deutschen Arbeitern durften wir nicht sprechen, sogar
nicht lächeln. Ich aber machte alles verkehrt. Ich sagte den
Deutschen, dass die Russen sie jetzt schlagen. Ein Deutscher
meinte dazu: „Hitler und Stalin sind dumm.“
Die Wachleute, die uns bewachten, waren bewaffnet. Ringsum war
Stacheldraht. Tag und Nacht wurden wir bewacht. Sonntags
durften wir für einige Stunden ausgehen. Ein bekannter
Deutscher nahm mich zu sich nach Hause. Ich stopfte seine
Socken, machte die Wohnung rein. Er prüfte mich: legte Geld
hin, einen Ring. Ob ich es an mich nehme. Ich nahm nichts.
Er nahm mich oft und brachte mir dafür belegtes Brot.
Als ich zum Kriegsende befreit wurde, geriet ich ins
Umsiedlungslager 221. Da kamen unsere Offiziere und fragten:
„Wer kann auf Deutsch sprechen?“ Alle schwiegen. Dann wurde
ich gefragt. – „Ja, ich kann.“ – „Dann kommst Du in eine
Margarinefabrik.“ Ich fragte: „Und was werde ich dort machen?“
– „Bei der Belieferung wirst Du an der Waage tätig sein.“ –
Ja, ich fahre dahin. Umso mehr, da es um eine Margarinefabrik
geht.
Ich fuhr dahin und wurde von den Deutschen gut empfangen. Mit
mir kam noch eine, die bei einem Bauer war und darum Deutsch
beherrschte. Ich aber sprach, was ich wusste. Dort war eine
Schreibmaschine, und ich tippte Tag und Nacht. Ich dachte
dabei: „Das wird mich zu irgendeinem Beruf bringen.“
Dann kam ein General und sagte: „Wir brauchen für unser
Regiment eine Stenotypistin. Tippen Sie?“ – „Ja“ antwortete
ich. –„Wir nehmen Sie zu uns.“
Er sagte zu mir: „Sie werden in der Geheim-Abteilung arbeiten.
Zuerst müssen wir aber prüfen, wer Sie sind.“ Und sie fragten
in Drushkowka nach. Mein Vater war an der Front, mein Bruder
auch, meine Mutter wollte man auch nach Deutschland
deportieren. Man schickte sie aber zurück, weil sie schon alt
war.
Ich begann in der Geheim-Abteilung zu arbeiten und lernte
meinen Mann, Iwan Koschewoj, kennen. Er war Verwalter der
Apotheke in einem Lazarett. Ich heiratete ihn. Wir fuhren nach
Potsdam und ließen unsere Eheschließung registrieren.
Dann wurde mein Mann nach Kamtschatka geschickt; wir lebten
dort sieben Jahre lang. Ich war dort auch Stenotypistin. Mein
Mann wollte, dass ich in eine Medizinlehranstalt eintrete. Die
Antwort war: „Die Frau war in Deutschland.“ Ich durfte nicht
studieren. In einer Parteiversammlung sagte er: „Sie hat damit
nichts zu tun. Schuld daran sind Sie, und Sie, und Sie.“
Wir kamen schließlich hierher nach Drushkowka, ich schon als
Frau eines Offiziers, Arbeit finden konnte ich aber nicht.
Mein Mann fand Arbeit in einer Apotheke, und ich ging in die
Landwirtschaft, weil ich keinen Beruf hatte. Später arbeite
ich als Kassiererin. |
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