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  Friedensbotschaften aus Rangsdorf  
     
       
                 
  Interviews mit Zeitzeugen - mit Nadja Tschabar am 06.08.2005  
     
    Interview mit Maria Kapitonenko  
    Interview mit Nina Gerkulo  
    Interview mit Raja Tschabar  
    Interview mit Boris Kostinski  
     
        Video mit Nadja Tschabar (ca. 1.60 MB)  
 

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Ich wurde am 8. September 1942 aus Drushkowka nach Deutschland deportiert. Unterwegs waren wir lange, ungefähr zwei Wochen lang. In Deutschland arbeitete ich als Zwangsarbeiterin von 1942 bis Mai 1945.

Ich arbeitete in Rangsdorf bei Bücker. Alle wissen, wie schlecht es uns dort ging. Wir mussten in einer Kolonne antreten und wurden bewacht. Ich habe vergessen, wie das Gerät hieß, an dem ich arbeitete. Es gab kleine Formen, die ich mit Farbe anstreichen musste. Am zweiten Tag wurden sie durch einen schwarzen Leim zusammengeklebt und unter die Presse gebracht. Am dritten Tag wurden sie abgeholt. An der Arbeitsstelle hatte ich nur wenig Umgang mit den Deutschen. Im Betrieb arbeiteten auch französische Kriegsgefangene. Sie gingen gut um mit uns. Zum Antreten mussten wir uns rechtzeitig melden. Die Leistungsnorm war zu erfüllen. Ich gab mir Mühe. Ich war ein ruhiges und strenges Mädchen.

Auch im Lager war die Disziplin hart. Wir wurden vom Werkschutz bewacht, der auch Hunde hatte. Aber keiner hat mir was Schlimmes angetan. Ich wohnte in einer Baracke. Im Zimmer waren ungefähr 30 Mädchen. Die Bettstellen waren zweistöckig, ich schlief oben. Die Nahrung war schlecht, sehr schlecht. Ich erinnere mich, wie ich einst abends einen Brotlaib für die kommende Woche erhielt. Ich verschlang eine Schnitte und nahm mir vor, das Brot nicht mehr anzutasten. Es kam aber anders, weil ich Hunger hatte. Ich ging erst zu Bett, als ich das ganze Brot verzehrt hatte. Die nächste Woche musste ich ohne Brot auskommen.

Videoausschnitt

Ich erinnere mich an die Verhaftung eines Ostarbeiters: Ich bin eine Gläubige. Es gab da einen Mann mit Namen Jefimow, er war auch gläubig, und zwar Baptist. Er stand in Verbindung mit einem Deutschen, der ihm manchmal eine belegte Schnitte zusteckte. Jemand hat es bemerkt und denunzierte ihn. Jefimow wurde verhaftet und musste 4 Monate lang bei der Gestapo verbringen. Man brachte ihn dann zurück und warf ihn neben dem Lagertor hinunter. Es war nur ein Haufen von Haut und Knochen. Die Jungs brachten ihn ins Lager, und die Frauen spendierten je ein Stück Brot und einige Kartoffeln, bis er zu Kräften kam. Später kamen seine Verwandten und nahmen Jefimow mit.

In meiner Freizeit hatte ich nur wenig Verkehr mit den Deutschen. Sonntags fuhren wir nach Berlin zur Baptistenversammlung von russischen Emigranten. Sie standen gut zu uns.

Im Sommer gingen wir auch schon einmal an den Rangsdorfer See, um zu baden. Timosch (Timofej Mikitenko, 19 Jahre) war einer von uns. Er badete im See und ertrank dabei. Die Beerdigung. Ich erinnere mich, als ob es jetzt war. Alle Mädchen gingen zur Beerdigung, das ganze Lager. Er wurde in einer Müllgrube neben dem Friedhof verschart. Und Boris Samojlowitsch (Boris Kostinski) trat dort mit einer Trauerrede auf. So. Wir weinten alle. Er war noch so jung. Und wo wurde er beerdigt? In einer Müllgrube.

Als wir 1945 befreit wurden, ging jeder seinen Weg. Uns nahm ein Militärteil auf. Wir hatten gewiss Angst, weil man manche Mädchen verhöhnte. Doch man behandelte uns einigermaßen. Es ging schon. Ich geriet in eine Nebenwirtschaft, wo es viele Kühe gab. Ich habe sie gemolken, dann arbeitete ich in einer Butterfabrik, wo ich acht Monate war. Zur Entlassung erhielt eine gute Bescheinigung und fuhr nach Hause. Wir fuhren mit dem Zug, die Wagen waren schlecht.

In der Heimat wurden wir verspottet und als Verräter angesprochen. Viele Mädchen hatten Angst zuzugeben, dass sie in Deutschland waren. Als ich die Bescheinigung aus dem Militärteil abgab, erhielt ich einen Pass und fand Arbeit.

 
     
 
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