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Ich wurde am 8. September 1942
aus Drushkowka nach Deutschland deportiert. Unterwegs waren
wir lange, ungefähr zwei Wochen lang. In Deutschland arbeitete
ich als Zwangsarbeiterin von 1942 bis Mai 1945.
Ich arbeitete in Rangsdorf bei Bücker. Alle wissen, wie
schlecht es uns dort ging. Wir mussten in einer Kolonne
antreten und wurden bewacht. Ich habe vergessen, wie das Gerät
hieß, an dem ich arbeitete. Es gab kleine Formen, die ich mit
Farbe anstreichen musste. Am zweiten Tag wurden sie durch
einen schwarzen Leim zusammengeklebt und unter die Presse
gebracht. Am dritten Tag wurden sie abgeholt. An der
Arbeitsstelle hatte ich nur wenig Umgang mit den Deutschen. Im
Betrieb arbeiteten auch französische Kriegsgefangene. Sie
gingen gut um mit uns. Zum Antreten mussten wir uns
rechtzeitig melden. Die Leistungsnorm war zu erfüllen. Ich gab
mir Mühe. Ich war ein ruhiges und strenges Mädchen.
Auch im Lager war die Disziplin hart. Wir wurden vom
Werkschutz bewacht, der auch Hunde hatte. Aber keiner hat mir
was Schlimmes angetan. Ich wohnte in einer Baracke. Im Zimmer
waren ungefähr 30 Mädchen. Die Bettstellen waren zweistöckig,
ich schlief oben. Die Nahrung war schlecht, sehr schlecht. Ich
erinnere mich, wie ich einst abends einen Brotlaib für die
kommende Woche erhielt. Ich verschlang eine Schnitte und nahm
mir vor, das Brot nicht mehr anzutasten. Es kam aber anders,
weil ich Hunger hatte. Ich ging erst zu Bett, als ich das
ganze Brot verzehrt hatte. Die nächste Woche musste ich ohne
Brot auskommen.
Videoausschnitt
Ich erinnere mich an die Verhaftung eines Ostarbeiters: Ich
bin eine Gläubige. Es gab da einen Mann mit Namen Jefimow, er
war auch gläubig, und zwar Baptist. Er stand in Verbindung mit
einem Deutschen, der ihm manchmal eine belegte Schnitte
zusteckte. Jemand hat es bemerkt und denunzierte ihn. Jefimow
wurde verhaftet und musste 4 Monate lang bei der Gestapo
verbringen. Man brachte ihn dann zurück und warf ihn neben dem
Lagertor hinunter. Es war nur ein Haufen von Haut und Knochen.
Die Jungs brachten ihn ins Lager, und die Frauen spendierten
je ein Stück Brot und einige Kartoffeln, bis er zu Kräften
kam. Später kamen seine Verwandten und nahmen Jefimow mit.
In meiner Freizeit hatte ich nur wenig Verkehr mit den
Deutschen. Sonntags fuhren wir nach Berlin zur
Baptistenversammlung von russischen Emigranten. Sie standen
gut zu uns.
Im Sommer gingen wir auch schon einmal an den Rangsdorfer See,
um zu baden. Timosch (Timofej Mikitenko, 19 Jahre) war einer
von uns. Er badete im See und ertrank dabei. Die Beerdigung.
Ich erinnere mich, als ob es jetzt war. Alle Mädchen gingen
zur Beerdigung, das ganze Lager. Er wurde in einer Müllgrube
neben dem Friedhof verschart. Und
Boris Samojlowitsch (Boris Kostinski)
trat dort mit einer Trauerrede auf. So. Wir weinten
alle. Er war noch so jung. Und wo wurde er beerdigt? In einer
Müllgrube.
Als wir 1945 befreit wurden, ging jeder seinen Weg. Uns nahm
ein Militärteil auf. Wir hatten gewiss Angst, weil man manche
Mädchen verhöhnte. Doch man behandelte uns einigermaßen. Es
ging schon. Ich geriet in eine Nebenwirtschaft, wo es viele
Kühe gab. Ich habe sie gemolken, dann arbeitete ich in einer
Butterfabrik, wo ich acht Monate war. Zur Entlassung erhielt
eine gute Bescheinigung und fuhr nach Hause. Wir fuhren mit
dem Zug, die Wagen waren schlecht.
In der Heimat wurden wir verspottet und als Verräter
angesprochen. Viele Mädchen hatten Angst zuzugeben, dass sie
in Deutschland waren. Als ich die Bescheinigung aus dem
Militärteil abgab, erhielt ich einen Pass und fand Arbeit. |
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